Sonntag, 7. Juli 2019

Und plötzlich war der Notstand vorüber...

Erinnern Sie sich noch an letzte Woche? Letzte Woche war Krieg. Naja, ein bischen wenigstens, in Form des US-verkündeten Telekommunikationsnotstandes. Auf einmal sah es so aus, als ob der zweitgrößte Smartphone-Hersteller Huawei durch einen Handelsbann kurz vor dem aus steht, da weder Google-Lizenzen, noch Intel-Technik, noch ARM-Chips in Zukunft genutzt werden durfte. Nach kurzer Lockerung für eine Übergangsfrist war ich um so erstaunter, als mich meine steinalten Huawei-Geräte vor wenigen Tagen spontan mit einem Android Pie Update beglückten.
Ein Notstand hat es ja nun an sich, daß er ausgerufen wird, bis die Not vorüber ist, z.B. bei einer Überschwemmung oder Waldbränden oder dergleichen. Der Telekommunikationsnotstand war ja nun darin begründet, daß angeblich - Beweis fehlen bis heute - Huawei-Geräte zur Spionage durch die böse chinesische Staatsführung mißbraucht würden, da Huawei und die Parteiführung und der Geheimdienst quasi drei Seiten derselben, äh, Medaille seien. Nun, die einzigen Firmen, die erwiesenermaßen Spionagechips in ihre Hardware einbauten, waren bisher US-Unternehmen wie Cisco, Dell und Western Digital (Links siehe unten).
Nun aber scheint der Notstand genau so plötzlich beendet, wie er kam - ein bischen zumindest.
Im Rahmen des G20-Gipfels hat die Trump-Administration nach Gesprächen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping verkündet, daß US-Unternehmen schon bald wieder Produkte und Technologien an Huawei liefern könnten. Wohlgemerkt - liefern! Denn Huawei ist ja auch ein guter Hardware-Kunde in den USA. Kaufen sollen die Unternehmen allerdings nichts bei Huawei. So wird - zumindest dort - Huawei als führender Anbieter von 5G-Netzwerktechnik weiter vom Markt ausgesperrt.
Immerhin - dem Smartphoneverkauf von Huawei hilft es vorläufig, denn mit neuestem Android und lizenzierten US-Technologien spielen diese zunächst wieder in der 1. Liga mit.

Links:
ZDNet - Hardware mit Hintertüren 
Heise Security - 10 Mio für Backdoor
Golem News - US-Hersteller wissen nichts von Backdoors

WAZ - Entwarnung für Huawei
GoogleWatchblog - Huawei wieder mit Android

Dienstag, 2. Juli 2019

Unverhofft kommt oft


Nachdem die Administration Trump den „Kommunikationsnotstand“ ausgerufen hatte, hatten verschiedene Firmen - allen voran Google - die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hardware-Riesen Huawei notgedrungen beendet. Kein neues Android-System für weitere Smartphones, keine Upgrades mehr, kein Zugang für die Google Services und den Shop - da haben sich schon viele gefragt, wie sinnvoll danach ein Huawei-Smartphone überhaupt noch sein kann. Das ganze wurde dann wieder etwas entschärft, nachdem der „Telekommunikationsnotstand“ zunächst für 90 Tage „on hold“ gesetzt wurde, also Huawei 90 Tage für weitere Maßnahmen blieben. 
Um so erstaunter war ich gestern, als mein etwas gealtertes “Huawei P-Smart“ unangekündigt plötzlich ein Major-Firmware-Upgrade anfuhr und neben der Installation der neuen EMUI 9 - Oberfläche mit KI-Funktionen auch Android 9 Pie nachinstallierte. Das hatte ich für mein Gerät eigentlich bereits ad acta gelegt. Mir stellt sich natürlich die Frage: Was bedeutet das nun? Wird die ganze Blockade gegenwärtig Stück für Stück wieder entschärft, nachdem bereits andere amerikanische Tech-Riesen Umgehungsmöglichkeiten gefunden haben, die chinesischen Hersteller über das Ausland zu beliefern…. Oder ist es die letzte „Nutzung des Möglichen“, sozusagen ein Goodie für die Kunden, diesen innerhalb der 90-Tages-Frist noch soviel neue Google-Software angedeihen zu lassen, wie irgendwie möglich ist? Wir werden es wohl erst erfahren, wenn die „Karenzzeit“ rum ist. 

Montag, 20. Mai 2019

Telekommunikationsnotstand in der Praxis...


Der Google Mutterkonzern Alphabet hat nun auf den "Telekommunikationsnotstand", den die US-Regierung in der vergangenen Woche ausgerufen hat, reagiert: Die weitere Zusammenarbeit mit dem Smartphonehersteller HUAWEI wurde auf Eis gelegt. Das bedeutet insbesondere, daß HUAWEI keinen Zugang mehr zu dem so wichtigen Smartphone-Betriebssystem Android hat.
Der „kalte Krieg der Telko-Branche“ ist entbrannt. Google dürfte der Schritt gar nicht so recht sein, da HUAWEI weltweit mit annähernd 20% einen erheblichen Marktanteil hält (und damit erhebliche Lizenzeinnahmen + PlayStore-Nutzer verspricht).
Für bereits ausgelieferte und auf Lager befindliche Huawei-Phones dürfte die Entscheidung wenig Folgen haben; lediglich große Updates auf eine neue Android-Version sind wohl zukünftig ausgeschlossen. Huawei kann auch den Open-Source-Kern von Android künftig nutzen; nicht allerdings die Google-Services wie den AppStore, den Assistent und z.B. Karten- und Ortungsdienste.
Huawei hatte durchblicken lassen, daß es im Konzern einen "Plan B" für solche Fälle gäbe. Wie dieser heißt (möglicherweise Ubuntu mobile?) ist bisher unbekannt. In den USA dürfte das Thema ohnehin für weniger Aufregung sorgen: Anders als im Rest der Welt hat Huawei dort nur einen Marktanteil von knapp 3 %.


Links:
Spiegel Nachrichten
Heise News
Heise News - die Folgen 
IDC Marktanteile


Donnerstag, 18. April 2019

Nach fest kommt ab...

...sagt der Volksmund. Das scheint auch für das Klappscharnier bzw. den Folding-Mechanismus in Samsungs neuestem Supersmartphone "Galaxy Fold" zu gelten. Nachdem das Gerät jetzt seit einigen Tagen bei Influencern, Youtube-Technerds und Journalisten eingetroffen ist, zeigt sich offenbar, das der größte Pluspunkt des Gerätes auch zugleich die größte Schwachstelle ist. Das Displaymaß kann man durch Aufklappen des Gerätes von bescheidenen 4,6 Zoll auf beachtliche 7,3 Zoll in einem ungefähren 4:3 - Seitenverhältnis bringen. Damit ist es fast so groß wie die Displayfläche eines iPad mini.
Die ersten Tester berichten jetzt allerdings, daß der Mechanismus wohl doch anfälliger ist als gedacht: Bei ersten Geräten kam es zu flackernden Displays, schwarzen Flecken, Teilablösungen oder Komplettausfällen.
Wie Samsung diese Schwierigkeiten vor dem tatsächlichen Verkaufsstart lösen will, ist noch unklar. Bei einem Gerät für 2.000,- € wird der Kunde solche Einschränkungen nicht hinnehmen wollen.

Quellen:
Golem News
Heise News
youtube CNBC


Montag, 22. Oktober 2018

Back from the Cloud - Backup lokal!

Nach langen Jahren "traditioneller Samsung-Nutzung" bei meinem beruflichen Smartphones bin ich dieses Jahr erstmalig auf Huawei umgestiegen. Zwar habe ich nicht das aktuelle Topmodel Mate 20 Pro angeschafft, habe aber im Zuge der Besprechungen und der von Huawei auf diesem Gerät eingeführten EMUI 9 Oberfläche ein interessantes Software Feature erfahren, dass offenbar auch auf den kleineren Modellen des Konzerns noch eingeführt werden soll: Während andere Hersteller das Backup ihrer Telefone praktisch ausschließlich über die Cloud oder über einen angeschlossenen PC realisieren (wobei der eindeutige Schwerpunkt auf der Cloud-Lösung liegt), hat Huawei in seiner aktuellen EMUI-Software-Version eine neue, dritte Variante hinzugefügt: Es ist nun möglich, ein automatisiertes Smartphone-Backup über ein lokales NAS-System zu fahren! Wenn man also ein Synology- oder QNAP-Drive sein eigen nennt, kann man auf dieses das automatische Smartphone Backup über WLAN senden.
Diese Lösung löst für viele Berufsgeheimnisträger (wie mich) eine erhebliche Problematik. Einerseits ist ein vernünftiges Backup auch von mobilen Geräten kaum verzichtbar. Andererseits ist das Backup über Google Cloud oder Google Drive bzw. die iCloud entweder rudimentär, oder rechtlich zumindest fragwürdig. Zwar besteht die Möglichkeit, ein verschlüsseltes Backup zu ziehen; ob dies allerdings alle Anforderungen von anonymisierten (Mandanten-)Kontaktdaten oder personenbezogenen Metadaten erfüllt, vermag selbst ich nicht zu sagen.
Die Möglichkeit eines vernünftigen "inHouse"-Backup ist dagegen für viele Berufsgeheimnisträger eine große Erleichterung. Ich freue mich daher auf den Tag, wenn Huawei diese Möglichkeit bei seinen übrigen Modellreihen nachrüstet.

Quelle: Caschys Blog

Montag, 16. April 2018

Das Offline Smartphone


Es gibt ja Menschen, die gönnen sich eine „Online“-Auszeit, gehen offline, um mal wieder zur Besinnung zu kommen, „herunter“ zu kommen, „sich selbst zu finden“ etc. 
Man könnte meinen, Samsung hätte an diese Menschen gedacht, es das Galaxy J2 vorgestellt wurde: Ein Smartphone ohne Online-Funktionen. Sämtliche Verbindungsmöglichkeiten - WLAN, LTE, Bluetooth… sind deaktiviert. Seltsame Idee, wurde uns doch 2007 der Urvater der heutigen Smartphones, das iPhone, als „Internet Communications Device“ vorgestellt. 
Hintergrund des J2 ist jedoch ein ganz anderer: Einmal im Jahr findet in Südkorea - dem einzigen Land, in dem das Gerät aktiv vermarktet wird - eine landesweite Aufnahmeprüfung für die Hochschulreife („Suneung“) statt. Ein Tag, auf den sich die Schüler monatelang vorbereiten, da er möglicherweise über das gesamte weitere Leben entscheidet. Es ist ein Tag nationalen Ausnahmezustandes. Für Teilnehmer dieser Prüfung soll das J2 gedacht sein, damit sie ja keine Ablenkungen durch neue Posts oder Comments, Chatanfragen, Mails oder anderes erhalten. Immerhin: Telefonieren kann man mit dem Gerät noch. 


Link: Golem News


Sonntag, 18. März 2018

Die Tastatur ohne Tasten



Ja, es ist wahr: Als ultramobile Arbeitsplattform benutze auch ich eine dieser "flachen Flundern", genannt Mac Book. Mit einem Gewicht knapp unter 900g und einer Bauhöhe von 1 cm gibt es in dieser Leistungsklasse momentan nichts Vergleichbares. Und wenn Apple "serious about thin" macht, ist jedes mechanische Bauteil im Weg: Mit der sog. "Butterfly II - Tastatur" wurde der Tastenhub und damit die nötige Bauhöhe bereits dramatisch eingekürzt. Ebenso das "Force Touch Trackpad", das ohne mechanischen Tastenhub "Klicks" über die Taptic Engine simuliert. Allerdings muß ich zugeben, daß gelegentlich einzelnen Tasten der Butterfly-Tastatur etwas "Zuwendung" benötigen und "entklemmt" werden müssen. Das Trackpad dagegen funktioniert störungsfrei.
Das ist nun offenbar auch Apple aufgefallen; jedenfalls läßt ein neues Patent vermuten, daß man die mechanische Tastatur möglicherweise vollständig abschaffen will. Über eine Touch-Oberfläche mit Taptic Engine soll der Benutzer nur noch das "Gefühl" des Tippens vermittelt bekommen, während er tatsächlich mit unterschiedlichem Druck auf eine mechanisch unbeweglich Glasfläche drückt. Die darunter liegende Taptic Engine vermittelt durch punktgenaue Vibration und Impulse die Illusion, daß man eine Taste gedrückt habe - während sich tatsächlich nichts mehr auf dieser Oberfläche bewegt. "Kraftsensitive Eingabestruktur für ein elektronisches Gerät“, nennt Apple diese Erfindung. Ich muß sagen, daß ich auf ein solches Gerät sehr gespannt bin - als Viel- und Schnellschreiber mit Ausbildung im 10-Finger-System liebe ich meine in Deutschland designte "Cherry Stream G230". Mechanisch gibt es aus meiner Sicht kaum etwas Schnelleres. Sollte es jedoch möglich sein, ein solches Haptik-Gefühl ohne Mechanik nachzubauen - warum nicht? Ein echtes, mechanisches Gaspedal vermißt im PKW heute auch niemand mehr...


Links:
Bericht auf Macwelt
Bericht bei Mobilegeeks